Bereits zum elften Mal bewegt sich die Mut-Tour durch Deutschland. Die Teilnehmer*innen radeln auf Tandem-Fahrrädern oder sind zu Fuß in Pferdebegleitung unterwegs, um für den offenen Umgang mit Depressionen zu werben und – direkt an der Strecke – das Gespräch mit Betroffenen und Interessierten zu suchen. Die Tandem-Gruppe hatte am Mittwoch zusammen mit Vertretern des Sozialpsychiatrischen Dienstes Kassel sowie der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen einen kurzen Aufenthalt auf dem Kasseler Königsplatz.

Die Depression als Erkrankung ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu-Thema. Sie ist hinderlich bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder beim Kontakt zu Kunden. Betroffene stoßen oftmals auf Unverständnis. Seit 2012 erlebt die Mut-Tour jeden Sommer, wie sich durch offene Gespräche Berührungsängste und Vorurteile stetig abbauen lassen und auch die Mitfahrer*innen – weit über die Dauer der Etappenphasen hinaus – ein Gemeinschaftsgefühl erfahren, welches sie auch im Alltag nachhaltig unterstützt. Mutige Teilnehmende möchten anderen Mut machen, Hilfe anzunehmen und in den Dialog zu treten. 2023 möchte die Mut-Tour insbesondere die Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen in den verschiedenen Lebensphasen fördern. Durch das offene Gespräch über Erfahrungen und Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen leistet die Tour einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung. Ziel ist es, die Menschen zu sensibilisieren und in einer Gesellschaft zu leben, in der sowohl betroffene als auch nicht-betroffene Personen angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können.

Mitmachen und Reden

In dreieinhalb Monaten legen hunderte Menschen mit und ohne Depressionserfahrung eine Strecke von insgesamt 3.800 Kilometern zurück und suchen immer wieder die Gespräche am Wegesrand. Doch wovon profitieren die Mitfahrer*innen? „Das Mitmachen, die Aktivität selbst sowie das Reden über die eigene Geschichte helfen ihr persönlich“, erzählt uns die Teilnehmerin Swantje Wurps. Sie war selbst Betroffene. Informiert über die Mut-Tour habe sie sich im Internet und nahm dann Kontakt zur Leitung auf. Sie fährt auf der aktuellen Etappe bis Würzburg. Heute fährt die Gruppe der Tour 4 auf ihren bunten und mit Schildern, Plakaten, und Wimpeln dekoriert Tandems noch bis Homberg. Wie reagieren die Menschen auf die Aktion? Sie habe alle Reaktionen erfahren, die man sich vorstellen kann, erzählt Dominique Seeger vom Trägerverein „Mut fördern“, die in diesem Jahr bereits eine Etappe mitgefahren ist. „Die meisten sind aber sind sehr offen und positiv.“

Regionale Angebote

Neben deutschlandweiten Aktionen wie die Mut-Tour gibt es auch zahlreiche regionale Angebote. Unter dem Dach der Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) treffen sich 190 Selbsthilfegruppen, Betroffene und Angehörige, die sich selbst organisieren. KISS unterstützt, macht diese Gruppen bekannt und vermittelt Betroffene. „Wenn man sich mit anderen Betroffenen austauschen möchte und sich gegenseitig unterstützen und Mut machen, dann kann man sich bei uns melden, um zu erfahren, wo gerade ein freier Platz ist“, erklärt Carola Jantzen, KISS-Leiterin.

Hilfe erhalten Menschen mit einer psychischer Erkrankung außerdem beim Sozialpsychiatrischen Dienst, einer Stelle des Gesundheitsamtes Kassel. Hier gibt es Beratungsangebote sowie Angebote von Gruppenaktivitäten. Ziel ist die Teilhabe am öffentliche Leben. Der Sozialpsychiatrische Dienst wirbt für die öffentliche Wahrnehmung der Erkrankung Depression.

Regionale Anlaufstellen

Sozialpsychiatrischer Dienst Kassel
Kölnische Straße 54a
34117 Kassel
Telefon 0561 787-5390

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen am Gesundheitsamt Region Kassel – KISS
Treppenstraße 4
34117 Kassel
Telefon 0561 81644-211

Beratungsstelle pro familia Kassel
Breitscheidstraße 7
34119 Kassel
Telefon 0561 76619250

Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle – Ludwig Noll Verein
Frankfurter Straße 209
34134 Kassel
Telefon 0561 209860

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